Interview mit Dr. Baumann
Herr Dr. Baumann, was würden Sie als Ihren größten sportlichen Erfolg in Ihrer reiterlichen Karriere in der Vielseitigkeit bezeichnen? Reiten Sie auch heute noch aktiv?
In den Jahren 1990, 1991 und 1992 war ich jeweils Deutscher Meister und 1988 gewann ich in der Mannschaftswertung Gold bei der Olympiade in Seoul. Auch heute reite ich noch aktiv und habe 2 junge Pferde in Vorbereitung für das Bundes-Championat und einen 11-jährigen Wallach aus Holland für internationale 2** Turniere.
Sie haben eine Reha Klinik für Pferde. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?
Das Rehabilitationszentrum wurde 1994 gegründet und war damals die erste Reha Klinik Europas mit einem Aquatrainer. Seither haben wir in unserer Klinik mehr als 1000 Pferde behandelt und zwar Pferde die später ihren Einsatz bei einer Olympiade oder Europameisterschaft fanden. Aber auch Sportpferde für kleinere Einsätze und Freizeitpferde werden bei uns mit derselben Sorgfalt gepflegt und für ihre Aufgaben fit gemacht.
Wie wichtig sehen Sie neben der artgerechten Haltung, den Aspekt „Wohlfühlen“ und „Sicherheit“ für das Pferd?
Für mich sind das die wichtigsten Aspekte überhaupt. Ein Pferd ist kein Sportgerät, sondern ein Partner und nur ein Pferd das sich rundum wohl und sicher fühlt kann auch die gewünschte Leistung erbringen.
Immer öfter hören wir, dass Pferdebesitzer Boxen mit leichtem Gefälle und Abfluss bauen wollen, um dann die Boxen komplett ohne Einstreu zu halten. Gedacht ist dann die Boxen ein- oder mehrmals täglich mit Wasserstrahl zu reinigen. Wie ist Ihre Meinung als Tierarzt zu dieser Haltung von Pferden?
Das sehe ich mehr als kritisch. Grundsätzlich ist zu sagen, dass eine derartige Haltung auf Beton absolut nicht möglich ist und aus tierschutzrechtlichem Aspekt verboten werden müsste. Aber auch wenn in der Box hochwertige, rutschsichere Gummimatten verlegt sind, sprechen immer noch mehrere Faktoren gegen eine Haltung komplett ohne Einstreu. Ein Pferd mag es von Natur aus nicht, wenn es auf einen Untergrund strahlen muss der spritzt. Außerdem würde das bedeuten, dass die Pferde in einer immer feuchten Ambiente stehen. Das ist zum einen äußerst schädlich für die Hufe und Atemwege (Belastung durch Ammoniak), zum anderen bietet Feuchtigkeit immer einen hervorragenden Nährboden für Bakterien und Pilze, denen das Pferd dann direkt ausgesetzt wäre. Auch der Einsatz von Desinfektionsmitteln würde das Problem nur verlagern, nicht beseitigen.
Außerdem sprachen wir ja vorher vom Aspekt Wohlfühlen für das Pferd. Die Einstreu bietet dem Pferd auch einen gewissen Beschäftigungsfaktor, da z.B. Heureste in den Intervallen zwischen den Fütterungen herausgesucht werden können.
Mein Fazit ist, dass die Einstreumenge bei einem hochwertigen, rutschsicheren Gummiboden deutlich reduziert, aber nicht eliminiert werden kann.
Sie haben in Ihrer Klinik selbst BELMONDO Matten verlegt. Wo genau kommen die Matten bei Ihnen zum Einsatz und welche Vorteile sehen Sie darin?
Wir haben in unserem Reha Zentrum im Jahr 2008 die ersten Gummibeläge von BELMONDO in den Boxen verlegt. Ich war damals auf der Suche nach einem Belag für die Box eines hochgradig ataktischen Pferdes, das auch mit noch so großer Menge Einstreu keinen Halt beim Aufstehen fand. Wir testeten das Produkt BELMONDO Box Plus und das Ergebnis war mehr als gut. Also haben wir damit begonnen unsere gesamten Klinikboxen mit Box Plus auszulegen. Ein anderer nicht zu vernachlässigender Aspekt ist hier die Menge an Einstreu die eingespart werden kann.
Mittlerer weile ist auch der gesamte Bereich um den Aquatrainer sowie im Thermium, wo es absolut rutschsicher sein muss, mit BELMONDO Paddock Matten ausgelegt. Ende letzten Jahres haben wir noch mit dem Bau von Paddocks für unsere Rehapferde begonnen. Auch hier werden BELMONDO Paddockmatten zum Einsatz kommen.
Was halten Sie vom Einsatz flüssigkeitsdurchlässiger Matten im Boxenbereich?
Aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen absolut nichts! Urin und Kot dringen in die Matten ein und durch sie durch. Dadurch schafft man geradezu ein Paradies für Bakterien und Pilze, nicht zu sprechen von der gesundheitlichen Schädigung der Atemwege und Hufe, sowie der Geruchsbelastung durch Ammoniak.
Sie haben dieses Jahr bereits zum 2. Mal BELMONDO Paddock Matten für die Strassenübergänge Ihres Vielseitigkeitsturnieres verwendet. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht und ergaben sich für Sie dadurch Vorteile?
Die Paddockmatten als Strassenübergänge sind einfach genial! Wir hatten einmal Sonne mit hohen Temperaturen und nicht ganz einfachen Licht- und Schattenverhältnissen und die Matten hielten den Anforderungen ebenso Stand wie bei Dauerregen und sehr rutschigen Bedingungen. Aufgrund des Ausbildungsstandes fehlt es den fünf- und sechsjährigen Vierbeinern oft noch an Balance und verschiedene Bodenbegebenheiten können zu Irritationen führen. Aber ebenso wie die erfahrenen Pferde, hatten auch die Youngster keinerlei Probleme beim Queren der Straße.
Können Sie sich vorstellen wie aufwendig und teuer es früher war, tonnenweise Sand auf die Strassenübergänge aufzuschütten und dann wieder zu entsorgen. Und trotzdem blieb immer die Befürchtung, dass der Asphalt durchkommt und die Pferde rutschen könnten.
Wie Sie wissen empfehlen wir die BELMONDO Paddock Matten unseren Kunden im Außenbereich für Paddocks und außerdem für Führanlagen. Wie sehen Sie aus veterinärmedizinischer Sicht den Einsatz von Paddockmatten in der Führanlage oder auf dem Paddock? Die Matten verhindern ja ein Rutschen der Hufe, aber wie wirkt sich das auf Sehnen und Gelenke aus?
Im Paddock ist meiner Meinung nach die Paddockmatte der optimale Boden. Neben der Sicherheit für das Pferd ist auch die einfache Sauberhaltung und Hygiene ein wichtiger Aspekt. Dasselbe gilt auch für die Führanlage. Wobei ich betonen möchte, dass ich generell und unabhängig vom Boden nur für die Bewegung im Schritt bin.
Pferde in konventionellen Führanlagen traben oder sogar galoppieren zu lassen, finde ich mehr als bedenklich. Die Gummimatte, speziell die Paddockmatte ist ja selber auch etwas elastisch – vor allem durch ihre spezielle Oberflächenstruktur – und bremst
somit den Huf ohnehin nicht abrupt ab. Eine Belastung für Sehnen und Gelenke sehe ich unter den aufgeführten Gegebenheiten nicht gegeben. Im Gegenteil! Die Pferde gehen aufgrund des elastischen Bodens und der Sicherheit beim Tritt ohne Verspannungen im Rücken, wie es z.B auf Beton oder unebenem Boden der Fall sein kann.
Dr. Baumann betreibt das Rehazentrum in Reichertsheim seit 1994, er ist Pferdemediziner aus Leidenschaft.
Sein Ruf als Tierarzt eilt ihm voraus, bekannt ist er aber nicht nur als Mediziner sonder auch als Vielseitigkeitsreiter dessen sportliche Karriere 1988 in Seoul mit olympischem Gold gekrönt wurde. Dr. Baumann ist noch heute aktiver Buschreiter, unterstützt den bayrischen Nachwuchs und so manches Mal springt er als Betreuer z.B. bei den Österreichern ein.

